Pari Productions

lotuslady Bollywood – ein indischer Wirtschaftsfaktor

Schon sehr früh kam der Film nach Indien, anfangs nur auf Besuch. 1896 wurde erstmals ein Stummfilm der Gebrüder Lumiére in einem Hotel in Bombay gezeigt. 1913 wurde dann der erste indische Spielfilm“ Raja Harishchandra“ von Dhundiraj Govid Phalke gedreht. Schon damals waren die Inhalte indische Epen, was lange so blieb. So entwickelt sich eine eigene Filmsprache und daraus das Genre Bollywood. Der Name ist hergeleitet aus dem tatsächlichen Drehort Bombay (dem heutigen Mumbai) und dem großen Vorbild Hollywood. Inzwischen hat die indische Filmproduktion das amerikanische Vorbild überholt. Jährlich werden in Indien inzwischen 900 Filme produziert, die weltweit von 3,6 Milliarden Menschen gesehen werden. Die amerikanischen Produktionen erreichen eine Milliarde Menschen weniger.

Die Eigenheiten der Bollywoodfilme sind erst einmal deren Länge zwischen drei und vier Stunden, zahlreiche opulente Gesangs-und Tanzszenen und eine absolute Beliebigkeit der Drehorte. Innerhalb eines Films können die Hauptdarsteller ohne weiteres vor den Pyramiden, vor einem schottischen Castle, in einer amerikanischen Großstadt und den Schweizer Bergen stehen.Ein weiteres untrügliches Indiz für eine Bollywoodproduktion sind die starke Emotionalität der Darstellung und das unausweichliche Happy End bzw. der tragische Tod der Darsteller. Der Erfolgsproduzent Chopra fasst es so zusammen „In einem Film von drei Stunden muss das Paar entweder sterben oder zusammenkommen. Die Zuschauer sollen am Ende weinen oder lachen.“

Wie so vieles in Indien ist auch der indische Film stark verwurzelt in der indischen Mythologie und der indischen Tanzgeschichte. Die häufigsten Tanzstile der Filmchoreographien stammen aus den Bharatnatyam, Kuchipudi, Kathakali oder Kathak, die mit den Einflüssen lateinamerikanischer Tänze, klassischem Ballett, Flamenco, Musicaltanz und inzwischen Hip-Hop verschmelzen. Die Ideallandschaft für Mythen ist Kashmir als Kombination von Bergen und Seenlandschaften. Derzeit ist es unmöglich dort zu drehen, deshalb weichen die Filmteams gerne in die deutschen oder Schweizer Alpen aus. In den klassischen Darstellungen von Krishnas Liebe wird die innige Beziehung des Paars durch das rituelle Liebesspiel „leela“ verdeutlicht. Diese spielerische Variante ersetzen realitätsnahe Liebesdarstellung. In Bollywoodfilmen küssen sich die Paare nicht, stattdessen umschlingen sie sich lediglich möglichst erotisch oft unter den Wasserfällen, da auch nackte Haut nicht gezeigt wird. So entstehen die farbenprächtigen Szenen der berühmten Bollywoodfilme.

Inhaltlich hat sich die Filmindustrie inzwischen von reinen Götterdarstellungen gelöst und der wichtigste Wegbereiter war wohl der Film „Kismet“ von 1943 . Die Heldin ist die Tochter eines verarmten Theaterbesitzers, die sich in einen Taschendieb verliebt. Hier ensteht ein starkes Motiv der Geschichten, das bis heute bestimmend ist – die Liebe mit all ihren Wirrungen. Einige Jahre später 1950 entsteht unter der Regie Meeebob Khan das Meisterwerk „Mother India“, das als erster indischer Film eine Oscarnominierung erhält. In diesem Epos kristallisiert sich ein weiteres Motiv der Bollywoodfilme heraus – die Liebe zur Heimat und die Stärke der Familie. Durch die Jahrzehnte kamen dann noch weitere Themen dazu: In den sechziger Jahren ging es um die Einheit des Landes (die Trennung von Pakistan war vollzogen), in den siebziger Jahren wurde die westlichen Orientierungen mit den neuen Werten sowie veränderten Geschlechterrollen Thema, ein typisches Beispiel war der Film “Bobby” von Raj Kappor. Ein junger Hindu verliebt sich in die junge Christin Bobby und seine Eltern sind dagegen. In den Achtzigern gab es viele Filme in denen sich die Rolle der Frau veränderte. Statt ausschließlich Ehefrau und Mutter zu sein, tauchten immer mehr berufstätige und gebildete junge Frauen auf der Leinwand auf. Das hängt wahrscheinlich auch mit der Strukturveränderung des Publikums zusammen, denn die indischen Auswanderer im Ausland wurden zunehmend als Publikum erschlossen und sie wollten sich in den Filmen wiederfinden. Dieser Trend nahm immer mehr zu und die Geschichten “verwestlichten”. Ein gutes Beispiel dafür ist der erste Film von Aditya Chopra mit dem Titel “Dilwale Dulhana le Jayenge”. Es geht um indische Jugendliche, die im Ausland den freien Lebensstil pflegen jedoch am Ende wieder in die Heimat und die arrangierte Ehe zurückkehren (mit diesem Film wurde übrigens der Superstar Sharukh Khan berühmt). Somit gewannen die Bollywoodfilme eine immer wichtigere Rolle als identitätsstiftendes Element für Auslandsinder und die Auslandsmärkte wurden immer interessanter.

2001 holte Bollywood für die großen nicht indische Märkte aus und drängte mit den Big-Budget Produktionen “Lagaan” und “Ashoka” auf den internationalen Filmmarkt (wobei letzterer erstmals im Ausland uraufgeführt wurde). Der Erfolg bestätigte die Investition, mit den Historienfilmen wurden die Vertriebswege geöffnet. Inzwischen gibt es sogar Überlegungen, die Tanznummern zu limitieren und die Filme für den internationalen Markt zu kürzen. Jetzt sind die Superstars und großen Filme auch in Deutschland nicht mehr unbekannt. Es ist regelrecht ein Trend um Bollywood entstanden – Indien ist bei uns angekommen.